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Ein Kommentar

Kool Savas - Aura (Review) - M8

Kool Savas – Aura (Review)
M8-Rapblog Team

4 Jahre, 4 Buchstaben, ein Album: Aura. Am 11.11.2011 erschien Kool Savas Album Aura, das nach mehr als 4 Jahren das erste Studioalbum des selbstgekrönten King of Rap ist. Aufgenommen wurde das, laut ihm, persönlichste Album in der Hip Hop Hauptstadt Heidelberg und Konstanz, letzteres übrigens die Heimat seines DJ’s – Ja, das ist nennenswert.

Das Interlude vereint nicht nur klassische Hip Hop Beats, sondern auch einen weiteren Teilbereich des Hip Hops: DJing. Wer Ahnung von Djing hat, wird schon nach ein paar Sekunden merken, dass die Vocals mit vielen Breaks gescratched sind. Wer keinerlei Ahnung von dem Spiel mit den zwei Turntables hat, dem wird wohl das was alle mit DJing verbinden, nämlich das Scratchen, gefallen und vor allem der Übergang von Interlude zum Intro/Der letzte meiner Gattung auffallen, welcher gut getroffen wurde und den Übergang zu einem angenehmen Einstieg in das Album schafft.

Wer bei Und dann kam Essah in der Crowd vom OpenAir Frauenfeld 2011 stand, und somit die Hook rufen durfte, weiß, dass in diesem Track mehr Gefühl steckt, als zunächst vermutet. Wie Savas selbst damals die Crowd um halb Eins in der Nacht zu Perfektion dieser vier Worte animierte, bewies jedem, dass er in diesen Track sehr viel Herzblut hineingesteckt haben muss. Schon in den ersten Lines wird gezeigt, wie viel Emotionales in den nächsten paar Minuten folgen wird, natürlich verpackt von einer Rap-typischen Schicht, wie man sie von Savas kennt. „Ich saß zu Haus, der Drumcomputer auf dem Schoß, als mein Vater schrie `Mach was für die Schule du Idiot!‘ – Ich hab sie mies verkackt, sorry Baba, doch ich war zu abgelenkt, alleine mit einem Mikrophon in meiner Rapgedankenwelt.“ Mit der Hook hat der King of Rap wohl seinem Namen alle Ehre gemacht, denn wie er sagt, gab es in diesem Land vor ihm „Keine Beats, keine Rhymes. Keine Texte, die du liebst oder feierst. Keine Durchdreh-Mucke. Keine Tracks, die dich fesseln.“ Zumindest keinen nennenswerten, die sich nach dem Deutschen Oldschool-Rap wirklich abhoben. Seien wir ehrlich.

Der Beginn von Aura gleicht wohl eher einer Intromusik eines amerikanischen Kinoblockbusters, als einem Track auf einem Deutschrapalbum. Genau das war zumindest meine Meinung, bis mich aber heute Morgen ein Freund darauf aufmerksam machte, dass der Beat ein Inception-Soundtrack-Sample sei. Ich vermutete zunächst außerdem, dass Melbeatz bei diesem Track ihre Finger an den Reglern hatte, wurde aber eines besseren belehrt: Es war DJ Smoove, der übrigens genau wie 7inch, Sir Jai, Sinch, Ken Kenay und Jerry Canists, und !Bazz (die Hätrz) das Album mit produziert hat. Mich, und viele Weitere, die ich gefragt habe, erinnert der Track Aura ein wenig an „Krone“ von John Bello Story 2. Die Harmonie mit Naidoo ist hier zwar gut, aber vielleicht hätte Moe Mitchell, wie auch bei Krone, besser gepasst.

„Gib mir ein Mic‘ und ich will nie mehr gehen.“ sagt Savas auf dem vierten Track Nie mehr Gehen und das könnte man ihm sofort glauben. Wer Kool Savas kennt, der weiß dass er nie gehen wird. Denn egal ob in der Musik, wo er in Features bleiben wird oder mit sozialen Engagement: Mit diesem Track beweist er, was eigentlich schon jedem klar ist. Dass er sich schon längst in der Deutschrap-Szene etabliert hat und natürlich auch einen Namen gemacht hat. Der Track macht nicht nur gute Laune, sondern wirft auch einen Blick hinter das Schreibtalent des Deutsch-Türken.
Auch wenn der Anfang von Nichts bleibt mehr das Ende von Eminem’s Track „Soldier“ (von Em’s Album „The Eminem Show“) ist, ist es wohl der emotionalste Track auf Aura. Wer gefühlvolle Tracks mag, der wird auch diesen Track respektieren. Vor allem das Feature, der Scala Chor aus Belgien, den so gut wie jeder aus der Raffeisenbankwerbung kennen dürfte, überzeugt hier mit musikalischen Höchstleistungen. Noch bevor der Scala Chor mit der Hook einsetzt, hört man eine Geschichte von Savas‘ Vater auf Türkisch, die das Leben mit einem Fluss voller Gefahren wie Schlamm vergleicht und jeden Menschen mit einem kleinen Fisch. Man muss gegen jeden starken Strom schwimmen bevor die Zeit abläuft und darf sich nicht hinter Steinen verstecken, wie Frösche, die sagen, sie könnten nicht gegen den Strom anschwimmen. Denn wenn man das sagt, dann ist man nur ein armes Wesen mit einem Fischgesicht, der in einem Froschkörper haust. – Soweit zumindest die Zusammenfassung, danke an meinen 18-jährigen Türkischlehrer nebenbei! Auch wenn die türkische Einleitung für Savas viel bedeutend zu sein scheint, findet man es als „Nichtkönner der türkischen Sprache“ eher schade nichts zu verstehen. Zu diesem Track lässt sich allgemein nur sagen: Selber rein hören, selber urteilen, denn das Emotionale an Tracks ist wohl das schwerste zum Beurteilen. Ich jedenfalls finde den Track sehr gelungen und er zählt definitiv zu meinen Lieblingen auf dem Album.
In Optimale Nutzen unserer Ressourcen zeigt der King of Rap nochmal ganz deutlich, warum er der King of Rap ist. Alleine zu Beginn des Tracks frontet er, auch ohne einen bestimmen Rapper persönlich anzugreifen. Besonders lobenswert sind wohl die Anspielungen auf deutsche Politiker „Mund auf, ihr Träumer. Alle Rapper in ein’ Sack, ich hau’ stumpf drauf wie Stoiber. Sarrazins Wunderlampe: der Türke, der Deutsch kann. Sieh, ich flow’ wie Euphrat. Bring’ dein Weltbild ins Wanken wie ‘ne Kreuzfahrt.” Doch nicht nur Politiker, sondern auch Größen der Musikgeschichte „Auch Mozart würd’ sagen, er hat’s drauf wie Kanaken Fahrenheit” werden ins Visier genommen. Die Hook, die auch hier wieder mit Scratches überzeugt, ist gut gewählt und passt zu dem amerikanisch angehauchten Stil von Savas. Bei genauerem Hinhören fällt im 2. Part folgende Line auf: „Bitch, LMS jetzt bis dein Mundinneres wie Pudding is’.“ Eine Line die nach dem letzten Track von Aura wohl an alte Zeiten erinnert, aber dennoch macht Savas ganz klar danach deutlich, dass man nicht die Frau eines anderen Rapper dissen sollte, um der King zu sein, sondern eher lyrisch überlegen sein muss. Denn er wäre „lieber toter Rapper als lebender Songwriter“.

„Mein Englisch war beschissen, doch ich wusste wie man flowt. Wollte klingen wie A-Plus und Opio von den Souls. Fing auf Deutsch an, plötzlich stand die Welt Kopf, Labels klopften bei mir an die Tür mit ihren Geldkoffern, Clubs wollten Bookings, Rapper wollten Features. Auf einmal zahlt mir die früher verhasste Stimme die Miete.“ Erinnerungen aus der Jugend von Savaş Yurderi, so Kool Savas bürgerlich, werden in Die Stimme thematisiert. Wie viel Wahrheit hinter der Story um die engelsgleiche Stimme steckt, ist fraglich wenn man Savas Stimme heute hört. Doch das Problem einer zu hellen Stimme kennen wohl einige, auch ein paar Rapper, sicherlich gut. Der Beginn des Tracks ist fragwürdig und seltsam, wenn man nicht weiß, was einen erwartet.

 

Stampf ist mit Abstand schlechteste Track des Albums. Die wirklich nichts aussagende Hook „SOS, MCs. Besser jetzt als nie. Essah lässt keinen Zweifel dran. Dein Wohlergehen, Schicksal, Glück und Weiterkommen liegt in meiner Hand ich stampf, stampf, stampf.“ Spiegelt genau meine Meinung wieder: Ein schwacher Track, von dem ich mir auch nach mehrmaligen Hören keine einzige Line oder auch nur ein Wort gemerkt habe.

Zu Beginn von King of Rap/Ein Wunder zeigt Kool Savas schon, was er will. Mit Amerikanischem Hip Hop Style und gutem Englisch überzeugt er aber dennoch nur bei mehrmaligen Reinhören. Trotzdem sind auch hier starke Lines vertreten, die einen auch ab und zu zum Schmunzeln bringen, wie beispielsweise: „Denn deine Frau hat mehr Pfund als eine englische Bank.“ Dennoch ein kleiner Widerspruch zu einer Line vom Track Optimale Nutzen meiner Ressourcen (siehe oben). Leider klingt die Hook hier viel zu sehr nach Blechdose anstatt nach Mikrophon und außerdem erinnert sie dann doch eher an einen Technopiloten als an einen Rapper.
Ein Feature mit Olli Banjo darf natürlich auch auf Aura nicht fehlen. So ist Banjo vertreten auf dem Track Echo, wo aber leider seine Stimme nicht ganz so gut zu dem Beat passt. Und das sage ich, als eigentlicher Banjo-Fan. Die Betonung, sowie die Doubletime Parts, begleichen das Beat-Stimm-Debakel leider nicht. Bei Banjo’s Gesangseinlage musste aber auch ich nochmal ganz genau auf meinen iPod schauen, ob nicht noch ein weiterer Featuregast vertreten ist. Respekt hiermit an ihn für eine solche Gesangsstimme! Savas zeigt hier, leider schon zum xten-Male, was Essah nochmal ganz genau bedeutet.
Ehemals bedeutete LMS „Lutsch Meinen Schwanz“, wird aber durch den Xavier Naidoo Feature in LMS 2012 kurzerhand zu „Last Man Standing“. Sieht man hier eine Weiterentwicklung von Savas? Wir wissen es alle: Nachdem Bushido den Bambi für Integration bekommen hat, merken wir wohl, dass sich unsere Deutschrap-Helden weiterentwickelt haben. Der kurze Track bleibt, nicht nur durch Naidoo’s Einlagen im Kopf, sondern hat auf jeden Fall Ohrwurmpotenzial und begeistert nicht nur Deutschrap-Fans! Auch wenn es nur einen Part von Savas gibt, ist dieser wirklich sehr gut und wird durch kurze Gesangseinlagen am Ende von ausgewählten Sätzen perfekt von Naidoo ergänzt. Lines, die zunächst nicht jeder versteht wie „Zeig dem Rest der Welt den Finger, nenn mich Dubai.“ treffen hier auf klare Meinungen gleichwie „Sie reden über’s Album als das Thema, ihr seid ekelhaft.“  Wir reden trotzdem über das Album.

Abschließend lässt sich sagen, dass das wohl nicht das persönlichste Album von Savas ist. Ich zumindest werde auf ein noch persönlicheres Album warten. Auch wenn Savas Vater wohl eine elementare Rolle in einigen Tracks spielt, zeugt dies wirklich nicht von „dem persönlichsten Album“ was Savas mehrmals betonte. Die einzigen Tracks, die wirklich viel von seiner Persönlichkeit zeigen sind Die Stimme, ähnlich wie Nichts bleibt mehr. Für letzteres muss man allerdings die Hook mögen und sich nicht davon stören lassen. Die Kürze der Tracks, die insgesamt 35 Minuten bilden, sind leider zu wenig für ein Album, was sehr viel Flow beinhaltet, aber keinerlei wirkliche Aussagen. In meinen Augen reichen 12 Tracks allgemein schon aus: Die Größen der Musikgeschichte hatten und haben teilweise auch nur Alben mit 12 oder 13 Liedern. Leider bedauere ich es bei Aura ein wenig (vielleicht auch ein wenig zu sehr), denn die Tracks sind untereinander teilweise viel zu kurz. So hätte ich mir zum Beispiel bei LMS 2012 noch einen zweiten Part von Savas gewünscht. Meiner Meinung nach sind auf jeden Fall einige sehr gute Tracks dabei, aber auch einige nicht so nennenswerte. Dennoch: Wie bei wohl jedem Album eines großen deutschen Rap-Künstlers, unterscheiden sich wohl auch hier grundlegend die Meinungen. Alles in allem bin ich gespannt auf die Liveversionen der Albumtracks.

Von uns bekommt Kool Savas für sein Album 7 von 8 M’S:

 

 

Kommentare

  1. EssahFB07

    Stampf ist das beste Lied !

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